Der 7.Spieltag brachte in der laufenden Saison die ersten Vorentscheidungen in unseren beiden Staffeln. Unsere 1.Mannschaft braucht nach einem sicheren 6:2 gegen Schach Leipzig II noch einen Mannschaftspunkt an den beiden letzten Spieltagen zum Aufstieg in die Sachsenliga, wobei die Hürden mit den Tabellenzweiten und Tabellendritten ziemlich anspruchsvoll sind. Im Gegensatz dazu hat unsere 2.Mannschaft den Aufstieg mit einer 3:5 Niederlage gegen den VSC Plauen wohl zu 99% "versemmelt".

 

Runde 7: Zwickauer SC gegen VfB Leipzig II

Nach unserem hart erkämpften 4:4 gegen Wilkau-Haßlau, einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg, ging es in unserem jüngsten Heimspiel gegen die zweite Mannschaft von VfB Leipzig. Hier waren wir zwar leicht favorisiert, doch jeder, der schon einmal einen Mannschaftskampf bestritten hat, weiß: Auch nominell schwächere Teams muss man erst einmal schlagen. Genau diese Ausgangslage führte dazu, dass wir von Beginn an besonders fokussiert ins Rennen gingen, in voller Stammaufstellung und fest entschlossen, die Chance auf einen wichtigen Sieg nicht leichtfertig herzugeben.

 

Unsere Aufstellung

Brett 1: Bernd (Schwarz)

Brett 2: Stefan (Weiß)

Brett 3: Markus (ich selbst, Schwarz)

Brett 4: Migu (Weiß)

Brett 5: Frank (Schwarz)

Brett 6: Kevin (Weiß)

Brett 7: Kai (Schwarz)

Brett 8: Schöni (Weiß)

 

Die Eröffnungsphase

Die Partien waren von Beginn an eher zäh. Niemand sah danach aus, als würde er schon in der Eröffnung ein hohes Risiko eingehen. Stattdessen entstanden solide Stellungen, teils leicht abweichende Varianten, aber keine allzu wilden Experimente.

Eine Ausnahme war gewissermaßen Kevin an Brett 6, zumindest in puncto Spielanlage – jedoch nicht, weil er riskant spielte, sondern im Gegenteil, weil er ungewöhnlich kontrolliert und geduldig agierte. Wer ihn kennt, weiß, dass er gerne auch mal ein paar abenteuerlichere Züge wagt, wenn sich eine taktische Möglichkeit bietet. Diesmal aber wirkte er eher so, als habe er das große Ganze im Blick: solide Punkteausbeute für das Team, kein unnötiges Risiko.

 

Die ersten Entscheidungen

Umso überraschender war die Szene, die sich an Brett 4 bei Migu abspielte. Normalerweise ist er für kreative Ideen bekannt – doch was er sich dieses Mal in der Eröffnung leistete, war … naja – wenn man es so will, war es schon sehr kreativ … Schon recht früh ließ er ein ziemlich offensichtliches Turmopfer zu. Ein einziger unbedachter Zug, und plötzlich stand Migu mit dem Rücken zur Wand. Sein Gegner konnte im Grunde frei wählen, ob er mit Dauerschach abwickelt oder in einen hochgefährlichen Angriff mit Dame gegen zwei Türme übergeht.

Als ich (Markus) zwischen meinen eigenen Zügen kurz frische Luft schnappte, traf ich Migu draußen im Gang. Er feixte und war gleichzeitig fassungslos über den Patzer, den er sich geleistet hatte. Dankenswerterweise ging sein Kontrahent nicht aufs Ganze und begnügte sich mit dem Remis. So konnte Migu das Brett zwar mit leicht zittrigen Knien verlassen, aber immerhin mit einem halben Punkt.

 

Diese Stellung war für meine Begriffe recht einfach spielbar für Weiß … man müsste jetzt so primitive Züge wie g3 finden, weil der Gegner eine konkrete Drohung hat. Migu fand stattdessen 17. … a5! … und nach 18. Kxg2 Dg4+ 19. Kh1 Df3+ 20. Kg1 d5 durfte er seine Dame abgeben. Immerhin gegen zwei Türme.

 

Migus Gegner erzwang hier Remis … Und ich wir geben gerne zu, dass Migu schon deutlich schlechtere Stellungen noch gewonnen hat. Aber hier hätte Schwarz wohl weiterspielen sollen, denn irgendwo müssen die Brettpunkte ja herkommen.

Kurz darauf ging auch die Partie von Frank an Brett 5 mit einem Remis zu Ende. Bei ihm war es ein eher gleichmäßiger Verlauf. Zwar könnte man in einer detaillierten Analyse noch diskutieren, ob der Leipziger an manchen Stellen Chancen auf mehr hatte, doch letztlich zog sich das Spiel ohne große Ausschläge dahin, bis man sich auf die Punkteteilung einigte. So stand es relativ früh 1:1.

Doch wer dachte, damit sei schon ein Trend abzulesen, sollte sich gewaltig täuschen.

 

Eindrücke von den übrigen Brettern

An den meisten anderen Brettern blieben schnelle Entscheidungen zunächst aus. Besonders vielversprechend wirkte die Stellung von Bernd an Brett 1, der mit Schwarz eine überraschend souveräne Partie ablieferte. Jedes Mal, wenn ich einen Blick auf seine Stellung warf, hatte ich das Gefühl, er dränge seinen Gegner Schritt für Schritt in unangenehme Positionen.

Auch Kai und Schöni spielten jeweils recht ausgeglichen, wobei beide Partien noch keine deutliche Richtung erkennen ließen … mit dem Caveat, dass ich Schöni kenne. Ich weiß, welche Stellungen er gut spielt …
Mitten in diesem taktischen Abwarten stieg aber die Spannung; es war allen Beteiligten klar, dass sich diese Begegnung erst in den späteren Phasen entscheiden würde, wo Zeitnot und Nervenstärke häufig eine zentrale Rolle spielen.

 

Der Showdown rückt näher

Als das Spiel an jedem Brett fortschritt, kam die Zeitkontrolle um den 40. Zug immer näher. Die Atmosphäre im Raum änderte sich spürbar: Die Blicke wurden ernster, die Pausen zwischen den Zügen kürzer. Dieser Moment gehört zu den aufregendsten im Mannschaftsschach, denn es geht nicht nur um die eigene Partie, sondern um den gemeinsamen Erfolg. Ein Fehltritt in Zeitnot kann nicht nur die Partie eines Einzelnen kosten, sondern im schlimmsten Fall den gesamten Mannschaftskampf kippen.

Mit dem Zwischenstand von 1:1 und noch sechs offenen Duellen konnten wir uns nichts auf den ersten beiden Remis ausruhen. Jeder einzelne halbe Punkt würde am Ende entscheidend sein. Genau das machte diese Situation so reizvoll und zugleich nervenaufreibend: Nicht nur wollten wir unsere Favoritenrolle bestätigen, wir wussten auch, dass uns jeder Ausrutscher hart treffen konnte.

Die Zeitnot-Phase bricht an

In der typischen Hektik kurz vor dem 40. Zug wurde es an allen Brettern plötzlich hochspannend. Die Minuten rannen nur so von den Uhren, und kaum jemand hatte Zeit, sich noch groß umzuschauen. Jeder hatte sein eigenes Brett im Fokus.

Dramatischer Moment an Brett 2

Stefan war der Erste, der von dieser Phase profitierte. Sein Gegner hatte eine derart zweifelhafte Entscheidung getroffen, dass Stefan im Grunde einen unwiderstehlichen Angriff geschenkt bekam. In wenigen Zügen war klar, dass sein Gegner den Königsflügel nicht mehr verteidigen konnte. Stefan gewann problemlos und sorgte für unsere Führung.

 

Das war die Stellung, in der Stefans Gegner aufgab. Jeder, der schon einmal Schach gespielt hat, kann sich sicher vorstellen, wie unglücklich das alles für Schwarz gelaufen sein muss …

Plötzliche Siege an Brett 6 und 8

Währenddessen kam an zwei weiteren Brettern Bewegung ins Ergebnis:

Kevin (Brett 6) verwickelte sich in eine komplizierte Stellung. Die Chancen lagen etwa zwischen 50:50 und 60:60 … Sein Gegenüber hatte sich eigentlich gut aufgebaut, fällte dann aber eine sehr verpflichtende taktische Entscheidung.

 

Schwarz kann in dieser Stellung einfach stehen bleiben und sich Stück für Stück verbessern – vielleicht mit g4 oder mit h5 … stattdessen warf er alle Eier in den Osterkorb – oder wie auch immer das Sprichwort heißt – und spielte das extrem waghalsige 27. … Lxb3


Das lief dann auf diese Stellung hinaus:

Viel Spaß an alle, die das bewerten wollen. Kevin behielt die Nerven … und mir fehlte ganz ehrlich jede Möglichkeit, das alles richtig einzuschätzen Aber Kevin war voll in der Partie … und dann kam das dabei heraus …

 

Letztlich war der schwarze Fehler wohl eher positionell. Der Läufer auf den weißen Feldern, der alle wichtigen Punkte gedeckt hatte, hatte sich für sehr interessante Komplikationen aufgegeben. Und dann geht Schwarz auf den weißen Feldern zu Grunde. Was für eine heiße Partie – aber Kevin gewann eben an dieser Stelle.

Schöni (Brett 8) hingegen hatte sich eine sehr vielversprechende Angriffsstellung erarbeitet, die nie so recht verpuffte. In der Zeitnotphase vollendete er sein Werk und sammelte damit den nächsten Sieg für unser Team ein.

Damit war plötzlich schon ein erfreulich hoher Punktestand in Sicht – auch wenn ich persönlich diese Wendungen völlig verpasst hatte.

 

Ein bitteres Ende an Brett 3

Ich geriet auf meinem Brett allmählich in eine kritische Lage. Ich hatte mir durch konsequent schlechte Züge eine ungünstige Stellung erspielt und mein letztes Glück in einer Abwicklung gesucht, die das Spiel wenigstens kompliziert gestaltet … leider machte mir mein Gegner einen Strich durch die Rechnung. Selbst mit nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr fand er sämtliche Zwischenzüge, um seinen Vorteil zu behalten und schließlich zum Sieg zu führen.



Ich will gar nicht den Müll zeigen, den ich hier vorher gefunden habe, aber ich habe mich hier ernsthaft darauf verlassen, dass 27. … Dc5 reicht … denn die ungleichfarbigen Läufer gewinnt er im Leben nicht.

Er nahm die Dame, nahm den Bauern, ich nahm f5 und war der Meinung, er könnte a5 nicht mehr sinnvoll decken … aber mein Gegner fand sowohl Ta1 als auch nach Lg7 den starken Zwischenzug Ld3 -- mit nur 4 Sekunden auf der Uhr …

Das ggwp kam wirklich von Herzen, denn er hatte ALLES gefunden. Zum Glück haben meine Mannschaftskameraden vorsichtshalber gewonnen. Aber wenn ich verlieren will, dann bitte so wie in dieser Partie. Umso mehr hat es mich gefreut, dass sich Stefan endlich einmal wieder in seiner Spielstärke hatte durchsetzen können und wir uns einen Mannschaftskampf näher an unsere Aufstiegschane rückten..

Genau in diesem Moment erfuhr ich von Schöni, dass wir insgesamt schon vier Punkte auf dem Konto hatten. Das war eine große Erleichterung für mich, denn ich sah, was auf Bernds und Kais Brett noch lief

 

Schlussakkord an Brett 1 und 7

Bernd hatte bereits die ganze Zeit eine stark geführte Partie gezeigt. Er behielt in der hektischsten Phase des Matches die Ruhe, baute seinen positionellen Vorteil konsequent aus und fuhr einen ungefährdeten Sieg ein.

Kai musste zwischendurch mehr kämpfen. Seine Partie wogte zeitweilig hin und her, doch er behauptete schließlich einen kleinen, aber entscheidenden Vorteil, den er sicher verwertete.

In der Partie von Kai gab es viele Ups and Downs …

Als beide ihre Partien gewannen, stand am Ende ein überraschend deutliches 6:2 für uns auf dem Spielberichtsbogen – ein Ergebnis, das wir zwar erhofft, in dieser Klarheit aber nicht unbedingt erwartet hatten.

 

Das Saisonende naht

Plauen fuhr ein überraschendes Unentschieden ein. Mit drei Mannschaftspunkten Vorsprung bei nur noch zwei ausstehenden Runden stehen wir nun mit einer hervorragenden Ausgangslage da. Unsere Chancen auf den Aufstieg sind damit mehr als real, doch rechnerisch ist noch alles möglich. Auch wenn es nicht das wahrscheinlichste Szenario ist, existiert durchaus eine Welt, in der wir die letzten beiden Kämpfe verlieren und am Ende doch noch abgefangen werden.

Das bedeutet für uns: Wir bleiben fokussiert, nehmen die letzten Spiele ernst und geben weiter unser Bestes. Gleichzeitig können wir mit einer positiven Grundstimmung in die Schlussphase der Saison gehen. Die bisherigen Mannschaftskämpfe haben uns nicht nur gute Ergebnisse gebracht, sondern auch jede Menge Spaß gemacht. Das Gefühl, als Team gemeinsam um Punkte zu kämpfen, sich gegenseitig zu unterstützen und sich aufeinander verlassen zu können, war für uns mindestens genauso wichtig wie der Tabellenstand.

Mit dieser Einstellung schauen wir in die Zukunft.

 

 

2.Mannschaft in Runde 7

In dieser 7.Punktspielrunde hatten wir die Hoffnung, dass uns Waldkirchen Schützenhilfe leisten würde. Und wirklich, es klappte. Waldkirchen trotzte dem Spitzenreiter Aufbau Chemnitz ein 4:4 ab und wir hatten die Chance, bis auf einen Punkt ran zu rücken mit dem Spiel gegen Aufbau am letzten Spieltag im Rücken. Das Ganze hatte nur leider einen Haken, ein Sieg gegen den VSC Plauen musste her. Und da sind wir leider gescheitert. Eigentlich war der Plan "vorne halten und hinten gewinnen" und was kam raus: "hinten nicht gewonnen und vorne verloren". Der Endstand von 5:3 für Plauen wird uns aller Voraussicht nach alle Aufstiegschancen kosten. Aber was soll's, wir haben fast die gesamte Saison über unseren Verhältnissen gespielt und nächste Saison nehmen wir einen neuen Anlauf.