Unser Weg ins Finale des Sachsen-Pokals
Wer kennt das nicht? Da gibt es an die 10 Leute, die allesamt Interesse an einem Mannschaftspokal anmelden, und am Ende wird man als der eine, der explizit sein Desinteresse bekundet hat, am Abend vorher gefragt, ob man noch mitspielen könne, weil nicht genügend Leute zusammengekommen sind … Naja, wenn ich einmal mitspiele, kann ich auch einen Bericht dazu schreiben ;) Um es kurz zu machen: Wir sind Pokal-Finale!
Wir, das Viererteam des Zwickauer SC bestehend aus Kevin, Frank, Roland und mir (Markus), machten uns auf den Weg zur Vorrunde des sächsischen Schnellschachpokals. Dabei hatten wir so einige Hürden zu nehmen: Allein der Versuch, vier Schachspieler zusammenzutrommeln und pünktlich in einem entlegenen Ort in Sachsen aufzukreuzen, ist ein Kunststück für sich. Aber Kevin, unser improvisierter Mannschaftsleiter, übertraf sich selbst – und bekam es sogar hin, dass sein Zug an jenem Samstag wirklich pünktlich losfuhr. Nur hielt der Zug mehrfach sinnloserweise an und kam viel zu spät für den Anschluss in Chemnitz an … aber mit genügend Puffer, den Kevin sich genommen hatte, haben wir auch ihn rechtzeitig nach Neukirchen an den Spielort geholt.
Glück beim Losen und souveräner Vorrundensieg
Der Modus für die Austragung des Wettkampfes lässt sich schnell erklären: Keine Sau, inklusive Turnierleitung, wusste wirklich, wie der ganze Unsinn funktionieren sollte.
Das war sie … die Erklärung für den Turniermodus …
Wir hatten insgesamt acht Mannschaften, aufgeteilt in zwei Vorrundengruppen mit jeweils vier Teams. Kevin zog in seiner ersten großen Tat als lernender Mannschaftsleiter für uns Gruppe B, die auf dem Papier deutlich leichter aussah. Wir trafen zunächst auf Crimmitschau, Großröhrsdorf und Burgstädt – alle davon waren im eher schlagbaren Bereich.
Erstes Match: Gegen Crimmitschau wurde es ein glasklares 4:0 – ein toller Auftakt, und die Laune war direkt oben.
Zweites Match: Gegen Großröhrsdorf setzten wir noch einen drauf und siegten mit 3,5:0,5. Nur ich gab ein Remis ab …
Drittes Match: Burgstädt verlangte uns ein kleines bisschen mehr ab, aber am Ende hieß es erneut 3,5:0,5. Hier war es Kevin, der am Ende noch in ein Remis einstimmte. Sein Gegner fand einen sehr guten Ausweg in einer schwierigen Situation und wickelte in ungleichfarbige Läufer ab.
Somit war uns der Gruppensieg nicht mehr zu nehmen. Gemeinsam mit Burgstädt qualifizierten wir uns für die Final-Runde, was die erste große Hürde bedeutete: Mission Vorrunde bestanden!
Die Finalrunde und der Mannschaftskampf gegen Wilkau
Im Finale erwarteten uns die Topteams Wilkau und Reichenbrand. Letztere waren Turnierfavorit und spielten besonders stark auf. Wir rechneten fest damit, dass wir uns mit Wilkau um den zweiten Platz streiten würden. Und genau so kam es. Noch dazu wurde Wilkau unser erster Gegner.
Rolands Endspiel-Malheur
Roland saß an Brett 4 und sah zwischendrin ziemlich gut aus: Er hatte einen Bauern mehr, ein scheinbar vielversprechendes Turmendspiel (4 gegen 3 Bauern). Doch hier schlug die ominöse „ZSC-Regel“ zu, die mir Kevin verraten hatte: „Wenn du im Turmendspiel einen Bauern mehr hast, verlierst du am Ende zwangsläufig trotzdem“ – manche würden behaupten, das wäre ein Running Gag, aber es schmiegt sich eng an die Wahrheit. Der zusätzliche Platz, den das fehlende Material bietet, ist einfach unwiederbringlich. Tatsächlich fand Roland mit unnachahmlicher Präzision genau jenen Weg, um das eigentlich günstige Endspiel noch aus der Hand zu geben. Ich weiß, dass sein Gegner Thorsten solche Endspiele sehr gut behandelt … und ich habe eigentlich auch keine Grundlage, mich zu beschweren, nach einigen Partien aus dieser Saison … aber dennoch kriegt Roland eine Ehrenmitgliedschaft im Wie-kann-man-das-noch-verlieren-Klub verliehen …
Mein Konter am Nachbarbrett
Zum Glück gelang mir (Markus) an Brett 3 ein Sieg, der Rolands Niederlage kompensierte. Meine Partie war zwar zwischenzeitlich voller Spannung mit Chancen für beide Seiten, aber die entscheidenden Momente gingen letztlich alle gut für mich aus. Wir standen damit wieder halbwegs im Gleichgewicht – 1:1.
Kevins chaotisches Brett
Das Highlight war Kevins Partie an Brett 1: Das Brett sah stellenweise so aus, als hätten Kindergartenkinder die Figuren zufällig auf den Feldern verteilt. Plötzlich verlor Kevin den Faden und machte einen groben Fehler, sodass Wilkau glänzend stand. Doch Robert hatte große Zeitprobleme, und Kevin bot schließlich Remis an. Ein Glück, denn mit wenig Zeit und einer Brettstellung, die keiner mehr so recht durchblickte, war dieses Unentschieden der rettende Anker für uns.
Franks Houdini-Trick
Frank an Brett 2 hatte lange Zeit eine solide Stellung, geriet dann aber völlig unvermittelt in eine Lage mit Minusbauern und drohte regelrecht unterzugehen. Genaugenommen hatte ich damit den Mannschaftskampf auch abgeschrieben. Zu meiner übergroßen Überraschung hörte ich plötzlich, dass die Partie noch Remis wurde. Wie genau das passierte, bleibt mir bis heute ein Rätsel … aber sei es drum, wir nehmen es mit.
Am Ende hieß es 2:2 gegen Wilkau – ein Resultat, das die Spannung auf die Spitze trieb, aber für uns unglaublich wichtig war. Wir waren damit in einer guten Ausgangslage für die letzte Runde.
Schnelles Remis gegen Reichenbrand
Vor dem letzten Mannschaftskampf gegen Reichenbrand wurde es kompliziert: Irgendwelche Feinwertungen und Konstellationen waren im Spiel, und wir wussten, dass uns ein Unentschieden den zweiten Platz und damit den Einzug in die Endrunde sichern würde. Reichenbrand war ohnehin klar in Führung, also akzeptierte man dort gern eine Punkteteilung, um den Gruppensieg nicht zu gefährden. Nach und nach einigten sich die Bretter nach kurzem Kampf auf eine Punkteteilung. Damit holten wir letztlich den zweiten Platz in der Finalrunde, knapp vor Wilkau auf Rang drei.
Finale, wir kommen!
Was sich zunächst unproblematisch anhörte, entwickelte sich gegen Wilkau zu einer regelrechten Zitterpartie: verrückte Stellungen, irre Endspiele und Nervenflattern bis zum letzten Zug. Doch wir konnten uns letztlich behaupten und gemeinsam mit Reichenbrand das Finale im Sachsen-Pokal erreichen.
Wir freuen uns schon riesig auf die kommenden Herausforderungen und hoffen, dass uns dann sowohl die Züge als auch die Bahn-Verbindungen wieder hold sind. Zwickauer SC, wir sehen uns im Finale!